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Konferenz zum Gewaltsamen Verschwindenlassen in Mexiko mit Beiträgen von Angehörigen der Opfer und Mitgliedern der „Interdisziplinären Gruppe unabhängiger Fachleute“ fortgesetzt

Samstag, 24. Oktober 2015 | © mexiko-verschwindenlassen.de
Professor Beristain aus Mexiko live zugeschaltet Foto: Heide Trommer

Professor Beristain aus Mexiko live zugeschaltet
Foto: Heide Trommer

Bischof der Württembergischen Landeskirche und des Präsidiums des Lutherischen Weltbundes in Genf drückt seine Solidarität mit den Opfern aus

Der zweite Tag der Tagung widmete sich der Situation der Opfer des gewaltsamen Verschwindenlassens. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern mexikanischer Menschenrechts- und Angehörigenorganisationen und deutscher Hilfswerke überlegten die Teilnehmenden Strategien zur Unterstützung der Opfer. Durch die Diskussionen im Plenum und Arbeitsgruppen zog sich die Frage, ob in Mexiko überhaupt noch in dem Maß rechtsstaatliche Strukturen bestehen, dass eine konstruktive Zusammenarbeit mittels Projekten möglich ist. Der mexikanische Staat ist nachweislich auf vielen Ebenen mit der organisierten Kriminalität eng verbunden. Zudem stellen Korruption und mangelnder politischer Wille zur Vorbeugung und Aufklärung von Menschenrechtsverbrechen eine Kooperation im Bereich von Rechtsstaatsprojekten grundsätzlich in Frage.

Die Tagungsteilnehmenden vermissten eine klare Positionierung der deutschen Regierung zur Umsetzung der Menschenrechte in Mexiko und fragten immer wieder, ob auch die deutsche Regierung die wirtschaftliche Zusammenarbeit über die der Menschenrechte stellt und ihr Menschenrechtsdiskurs letztlich nicht mehr als ein Feigenblatt ist.

Solidarität mit den Opfern brachte der Bischof der Württembergischen Landeskirche, Dr. Frank Otfried July, der auch Mitglied des Rates des Lutherischen Weltbundes ist, in einem Grußwort zum Ausdruck. Mit großer Empathie ging er auf die Situation der Flüchtlinge in Europa und die Situation der Angehörigen von Verschwundenen ein. Jede und jeder Vermisste in Lateinamerika und jeder Flüchtling in Europa habe einen Name und ein Gesicht. Ihre Würde zu wahren sei unsere Aufgabe.

Die Tagung nutzte die neuen Medien und schaltete in der Nachmittagssession aus Mexiko per skype Prof. Carlos Martin Beristain zu, Mitglied der „Interdisziplinären Gruppe unabhängiger Fachleute“. Diese stellte am 6. September 2015 der mexikanische Öffentlichkeit ihren Untersuchungsbericht zum gewaltsamen Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten von Ayotzinapa vor. Die unabhängigen Fachleute kamen zu dem Schluss, dass die Ermittlungen der mexikanischen Behörden hinsichtlich des Verschwindenlassens der 43 jungen Männer in keinem Punkt ihrer wissenschaftlichen und unabhängigen Überprüfung standhielt und legten eigene Ergebnisse über die Hintergründe des Verbrechens vor. Der Bericht ist auf der Webpage der DMRK in deutsch, englisch und spanisch herunterzuladen.

Offen blieb die Frage, welche konkreten Forderungen aus der Tagung an die deutsche und mexikanische Regierung und welche an die Zivilgesellschaft hervorgehen.

Der Abend des zweiten Tag begann mit einer Lesung aus dem Buch „Terrorzones“ durch den Journalisten Wolf-Dieter Vogel, der seit vielen Jahren über die Menschenrechtssituation in Mexiko berichtet. Seit vielen Jahren recherchiert er zu illegalen Waffenlieferungen von Deutschland nach Mexiko, die vor Ort zu Menschenrechtsverletzungen beitragen.

Der Tag klang mit beeindruckenden Musikbeiträgen von Jugendlichen aus Chiapas, wieder bei skype zugeschlatet, und mit Liedern aus Mexiko aus, die von Margarita Barrajas und Rodrigo Vidal vorgetragen wurden.

Von Heide Trommer